Interview: Leistungssportlerin Annika Zeyen – Taufpatin MS Viola

Eine ganz besondere Taufpatin

Ein besonderes Schiff für besondere Menschen bedarf einer außerordentlichen Taufpatin: Paralympic Siegerin Annika Zeyen. Am 3. Juni 2019 taufte die in Bonn geborene und heimatverbundene Rheinländerin unser neues Flussschiff

v.l.n.r.: Phoenix-Direktor Schiffsreisen Michael Schulze, Reederei Rijfers-Chefkapitänin Saskia de Rooij und Managing Director Otto Groen, Taufpatin Annika Zeyen, Phoenix-Geschäftsführer Johannes Zurnieden und Benjamin Krumpen, Tauf-Geistlicher Pastor Raimund Blanke

Annika zeigt als Sympathieträgerin und Leistungssportlerin was mit Willenskraft, Engagement, Talent und Unterstützung alles möglich ist. Seit einem Reitunfall mit 14 Jahren ist sie querschnittsgelähmt, gab sich aber nie auf und fand während der Reha Gefallen am Rollstuhl-Basketball. Sie startete eine einzigartige Sportkarriere, gewann neben zahlreichen Preisen und Titeln 2012 bei den Paralympics in London mit ihrem Basketball-Team die Goldmedaille. Annika hat ihre BasketballKarriere nach den Paralympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro beendet und arbeitet als studierte Marketing-Fachfrau in Bonn beim Paralympischen Komitee als Design Projekt Koordinatorin. Ihre neue sportliche Leidenschaft gilt dem “Hand-Biking”.

Annika, als “Mädchen aus dem Rheinland” bist Du sehr heimatverbunden, oder?
ANNIKA ZEYEN: Ich bin ein Familienmensch und die Nähe ist mir wichtig, gerade weil ich auch so viel im Rahmen des Sports reisen darf. Ich mag die rheinländische Art und bin eine Frohnatur.

Seit einem Reitunfall mit 14 Jahren sitzt Du im Rollstuhl und hast 2012 bei den Paralympischen Spielen in London als Rollstuhlbasketballerin mit Deinem Team die Goldmedaille geholt. Was ist Deine Erkenntnis: Wie erreicht man neue Ziele im Leben?
Ich lebe nach dem Motto:

Auch mit Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas bauen.

Ich habe viel erreichen können und denke, es gibt für jeden Menschen einen Weg, etwas aus seinem Leben zu machen.

Deine Basketball-Karriere hast Du an den Nagel gehängt, bist aber weiterhin als Leistungssportlerin im Hand-Biking aktiv – Sport ist Dein Leben?
Sport ist ein großer Bestandteil von mir, aber nicht alles. Ich liebe es mit Freunden oder der Familie zusammen zu kommen, um schöne Dinge zu unternehmen.

Das Hand-Biking ist heute Deine Passion, wie kamst Du darauf?
Als ich nach 382 Spielen im Nationalteam 2016 mit dem Basketballsport aufhörte, versuchte ich mich in der Leichtathletik-Disziplin Renn-Rollstuhl-Wettkampf. Durch Verletzungspech musste ich aber aufhören und stieg auf das immer bekannter werdende Hand-Bike um. Hier kann ich mit meiner Muskelkraft in den Armen und im Oberkörper ganz gut mithalten.

Mithalten ist gut … Du hast gerade erst wieder eine Bestmarke gesetzt.
Ja, das war vor kurzem beim Duisburger Marathon, wo ich einen tollen Streckenschnitt schaffte und mit 1:15 Std. die bisherige Bestmarke im HandBiking um zwei Minuten verbesserte.

Ist Dir bei den vielen Wettbewerben auch schon mal was  außerordentliches passiert?
Nun ja, mit dem Hand-Bike kommt man auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 33-34 km/h und in der Spitze auf über 50 km/h – Unfallrisiko inklusive. Beim diesjährigen Bonn-Marathon war ich an der Spitze, vor mir nur das  Führungs-Begleitfahrzeug, welches sich aber verfuhr und von der Strecke abkam und ich hinterher.

Du bist auch das Kampagnen-Gesicht der bundesweiten Inklusionskampagne “Gemeinsam was ins Rollen bringen!” des Deutschen RollstuhlSportverbandes e.V. (DRS). Wie gut oder schlecht funktioniert Inklusion in Deutschland?
Generell ist die Inklusion schon recht gut in Deutschland, es gibt aber andere Länder, z.B. die USA, welche schon viel weiter sind. Da ist das alltägliche Leben auch auf Menschen mit Handicap besser ausgerichtet. Das fängt mit der Parkplatzsituation und  öffentlichen Toiletten an. Ich denke, an den Barrieren in den Köpfen der Menschen muss weiter gearbeitet werden.

Kindern und Jugendlichen den Spaß am Sport zu vermitteln und so für das Thema Inklusion zu sensibilisieren, ist eines Deiner besonderen Anliegen. Welche Erfahrungen machst Du hier?
Ich besuche immer wieder Kindergärten und Schulen, erzähle dort von meinem Leben im Rollstuhl – Kinder haben keine Hemmschwellen, also ist es gut bei ihnen mit der “Aufklärung“ zu beginnen.

Mit MS VIOLA präsentiert Phoenix Reisen ein völlig neues Konzept der Flusskreuzfahrt. Gefällt Dir als Taufpatin das Schiff?
Zunächst bin ich sehr stolz darauf, dass Phoenix Reisen mich gefragt hat, die Taufpatin dieses doch besonderen Schiffes zu sein. Darüber hinaus ist es ein tolles Zeichen, ein wirklich barrierefreies und auf die Bedürfnisse von Menschen mit Rollstuhl oder anderen Handicaps zugeschnittenes Schiff auf Reisen zu schicken.

Was gibst Du dem Schiff, der Besatzung und den Gästen mit auf den Weg?
Als erstes meinen Taufspruch:

Ich wünsche MS VIOLA, ihrem Bordteam und den Gästen allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.


Und dann freue ich mich, wenn das Schiff viele Menschen an Bord begrüßen kann, die sich bisher noch nicht auf eine Flusskreuzfahrt trauten.