Interview: Elmar Mühlebach, der Kapitän des ZDF-Traumschiff AMADEA

Traumjob auf dem Traumschiff - Interview mit Elmar Mühlebach

Ab und zu pustet der Wind in Elmar Mühlebachs Telefon. Der Kapitän ist aber nicht auf See, sondern sitzt in einem Café im Schwarzwald. Der 51-Jährige hat Urlaub und wandert zusammen mit seiner Frau. Also hat Elmar Mühlebach, der auch das ZDF-Traumschiff AMADEA navigiert, ausreichend Zeit zu sprechen, zum Beispiel über den neuen Kapitän Florian Silbereisen.

Herr Mühlebach, wie ist es so, im Schatten der TV-Kapitäne zu fahren? 

ELMAR MÜHLEBACH: Es passieren lustige Dinge mit den Schauspielern. Siegfried Rauch etwa hat mir erzählt, dass er sich am ersten Drehtag verlaufen hat. Er trug seine Uni-form und fragte einen Gast, ob er wisse, auf welchem Deck die Brücke sei. Der fragte verblüfft zurück, ob er das als Kapitän nicht wissen sollte.

Seit 2015 werden auf der AMADEA die Serien “Traumschiff” und “Kreuz-fahrt ins Glück” gedreht. Inwiefern unterscheiden sich Filmtouren von normalen Passagierfahrten?  

Für einen Dreh reisen mal locker 35 bis 45 Leute an, die alle eine eigene Kabine bekommen. Und wenn zum Bei-spiel Hochzeitsszenen gedreht werden, reserviert die Crew ein ganzes Deck, auch den Poolbereich. Darüber werden die Gäste am Abend vorher informiert. Sie wissen sowieso, dass das ZDF dreht, viele buchen ihre Reise extra für diese Zeit und spielen sogar als Statist oder Komparse mit.

Auf welche Weise beeinflusst der Dreh Ihren Tagesablauf?  

Natürlich muss auch auf der Kommandobrücke gedreht wer-den. Was der “Traumschiff”-Zuschauer nicht weiß: Auf einem Schiff laufen immer elektronische Geräte, die Lüftung zum Beispiel, die Klimaanlage. Für die Tontechniker ist das schlimm. Die Geräte müssen daher abgestellt werden. In den Tropen kann das eine ziemlich heiße Angelegenheit werden.

Die wichtigste Aufgabe eines Kapitäns: Sicherheit ausstrahlen

Stehen Sie dann eingeklemmt hinter den Scheinwerfern und rufen: “Florian, reiß mal rechts den Hebel hoch, rechts … !”

Nein, das mache ich in den Drehpausen. Und ich rufe nichts zu, ich unterhalte mich nett. Mit Florian Silbereisen war ich noch nicht an Bord. Ich gehe aber davon aus, dass er sich alte Folgen angeguckt hat oder eine Woche früher an Bord gegangen ist, um den seemännischen Ablauf zu beobachten.

Günter König, Heinz Weiss, Siegfried Rauch, Sascha Hehn – sie alle waren schon “Traumschiff”-Kapitäne. Hatte einer davon echtes nautisches Talent? 

Na ja, an Bord waren sie alle gern. Doch Siegfried Rauch zeichnete aus, dass er ein wirklich enges Verhältnis zur Be-satzung und zum Schiff entwickelte. Der ist mir damals sehr ans Herz gewachsen.

Sie vermissen ihn?

Siggi war ein guter Sänger, und wenn er Lust hatte, ist er in eine der Bars gegangen, hat sich an den Flügel gesetzt und gesungen. Das war toll für die Gäste. Horst Naumann, der den Schiffsarzt spielte, hat Lesungen gemacht, einfach so. Heute ist alles enger getaktet.

Als Kapitän sind Sie die zentrale Figur an Bord. Was erwarten die Gäste von Ihnen? 

Sie wollen sich vergewissern, dass ich meinen Job beherrsche. Ich strahle Sicherheit aus, das ist meine oberste Aufgabe.

Auch schon mal Heiratsanträge bekommen von Groupies? 

Nein, aber ein Kapitän in weißer Uniform wirkt natürlich schneidig. Ich kenne Kollegen, die sagen, dass sie deshalb niemals tanzen würden bei den Empfängen. Aber ich glaube, das sind schlechte Tänzer, die eine Ausrede suchen. Das Tanzen gehört dazu, und ich kann das Berufliche vom Privaten trennen.

In den “Traumschiff”- Folgen geht es um kleine und große Liebesdramen an Bord, die meist gut ausgehen. Wie nah sind sie an der Realität? 

Nach 18 Jahren kann ich sagen: Es ist eine eigene Welt. Gäste, Filmcrew und die Schiffsbesatzung sind viele Wochen an Bord. Wie sollten sich da keine Geschichten zwischen den Geschlechtern entwickeln?

Wie viele Wochen sind Sie im Jahr unterwegs?

Wir Kapitäne fahren pro Jahr sechs Monate auf See und sind sechs Monate zu Hause. Früher war das manchmal schwer, als meine Tochter anfing, mich zu vermissen. Sie ist jetzt 16 Jahre alt, und ich hoffe, dass sie später nicht sagen wird: Ein bisschen mehr hättest du schon zu Hau-se sein können, Papa.

Reist Ihre Familie auch mal mit?

Meine Frau ist Naturwissenschaftlerin und berufstätig. Sie geht einmal im Jahr zusammen mit unserer Tochter an Bord, so ist der Deal. 

Kreuzfahrten sind Luxus- reisen. Was bedeutet Luxus für Sie? 

Das Heimkehren in ein normales Leben. Ich mag es, meiner Frau zuzuhören, wenn sie mir erzählt, was in den nächsten Wochen alles getan werden muss. Sie ist meine Basis, hat mich immer unterstützt. Wir sind seit mehr als 30 Jahren zusammen, und das, obwohl die Scheidungsrate unter See-leuten höher ist als in deutschen Großstädten. Ich weiß, das hört sich an wie aus dem Drehbuch des “Traumschiffs” …