Liebeserklärung an den Nil

FLUSS UND MEHR IN ÄGYPTEN

Liebeserklärung an den Nil

Wer eine Reise macht, der kann viel erzählen. Unsere Genuss-Expertin Claudia Gliss war auf dem Nil unterwegs und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Die Geschichte eines wunderbaren Mutter-Tochter-Urlaubs.

Mein Mann und ich sind als Genuss-Botschafter mit Phoenix Reisen sehr viel auf den Meeren und Flüssen dieser Welt unterwegs. Das führt dazu, dass meine Mutter in unserem GLISS Caffee Contor in Köln die Stellung halten muss. Sobald wir zu Hause sind, darf sie sich die tollen Geschichten aus fernen Ländern anhören. Deshalb habe ich mich entschieden, ihr eine gemeinsame Kreuzfahrt zu schenken: Wir zwei machen eine Woche Mutter-Tochter-Urlaub! Ein guter Plan, aber wohin? Nach einigem hin und her haben wir uns für den Nil entschieden, da mich Ägypten schon seit meiner Schulzeit fasziniert: Die Pharaonen, die Götter und die Pyramiden mit all ihren Geschichten habe ich damals verschlungen, leider ist nicht allzu viel im Köpfchen geblieben. Es ist also dringend an der Zeit, die Reiseschulbank zu drücken. Wir sind bereit! In Luxor wartet die MS ESADORA ROYAL schon auf uns und wir werden herzlichst in Empfang genommen. Ab hier fängt unser Rundum-Verwöhn-Programm an. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe noch nie so nette, herzliche und freundliche Menschen auf einem Fleck getroffen wie in Ägypten. Die Außentemperatur beträgt wunderbare 30 Grad, die Kabine ist fantastisch mit französischem Balkon (das haben alle Kabinen auf dem Schiff). Wir schalten die Klimaanlage aus, machen das Fenster auf und schlafen mit Blick auf den Nil ein. Gibt es etwas Schöneres? Nein, nichts!

Yalla Yalla – auf geht’s!
Trotz leichtem Schlafmangel weckt mich das zauberhafte Licht schon um 5 Uhr morgens. Jetzt ist die beste Zeit zum Fotografieren, wenn die Farben noch zart sind und alles einen romantischen Anblick hat. Kaum stehe ich am Fenster, ziehen über Theben-West und den Nil mindestens acht Heißluftballons vorüber. Traumhaft! Der Tag fängt gut an. Los geht’s zum großartigsten Heiligtum Ägyptens, den Tempelanlagen von Karnak. Die Anfänge dieses Tempels reichen bis zu 4.000 Jahre zurück. Was uns hier erwartet, konnte ich mir vorher nicht vorstellen, die Ausmaße sind einfach gigantisch. Wie klitzekleine Ameisen fühlten wir uns in diesem riesigen Komplex. Das Herzstück ist der Große Säulensaal mit seinen 134 monumentalen Säulen in 16 Reihen. Viele Filme wurden hier schon gedreht, der Bekannteste ist sicherlich James Bond … ich gucke direkt um die Ecke, ob der “Beißer” nicht irgendwo steht. Zwei Stunden bestaunen wir das Heiligtum. Aber um wirklich alles zu sehen, müsste man sich hier Tage aufhalten. Dank Yasser, unserem Phoenix-Guide, der wirklich jede Frage zu Göttern, Tempeln, Leben der Ägypter, Traditionen etc. beantworten kann, kommt so langsam wieder ein kleiner geschichtlicher Teil aus der Schulzeit in mein Hirn zurück. Aber wirklich nur ein sehr kleiner Teil. Zurück an Bord erholen wir uns von den vielen Eindrücken und entspannen bis zum Nachmittag. Dann geht’s zum Luxor-Tempel. 

Hallo, Sphinx!
Zunächst empfängt uns erst einmal die schnurgerade Sphinxallee, die früher den Luxor-Tempel mit den Karnak- Tempeln verbunden hat, die 2,5 km entfernt liegen. Dreht man sich um, steht man direkt vor dem 14 Meter hohen Ramses II., daneben ein riesiger Obelisk. Sein Zwilling befindet sich heute in Paris auf dem Place de la Concorde. Im Hof steht eine mittelalterliche Moschee. Faszinierend ist, dass sie sich mit ihrem Eingang ziemlich weit oben in luftiger Höhe befindet. Beim Bau der Moschee war der Tempel nämlich schon halb versandet. Am dritten Tag heißt es ‘Leinen los‘ und die MS ESADORA ROYAL legt ab zum nächsten Ziel. Davor geht’s aber noch zum Tal der Könige auf der anderen Nilseite, also am Westufer. Es gibt, glaube ich, keinen anderen Ort, um den sich mehr Legenden und Mythen ranken. Die Berge von Theben sehen wie natürliche Pyramiden aus, in die die Gräber geschlagen wurden. 64 Gräber wurden bisher entdeckt, die bis zu 60 Meter tief in den Berg reichen. Alle Gräber wurden bereits in der Antike ausgeraubt, außer das von Tutanchamun. Hier darf man keine Fotos machen, das Blitzen kann zu Beschädigungen der beeindruckenden Wandmalereien führen. Auf dem Rückweg zum Nilschiff passieren wir den weltberühmten Terrassentempel der Königin Hatschepsut und die Memnonkolosse. Die Figuren sind etwa 1.000 Tonnen schwer und mehr als 18 Meter hoch. Auch spannend ist der Besuch einer Alabaster- und Granitmanufaktur.

Der längste Fluss der Welt

Wir legen ab und fahren von Luxor nach Assuan. Mit seinen 6.852 km ist der Nil übrigens der längste Fluss der Welt und fließt durch sieben Länder. Wir lassen uns Richtung Esna treiben und genießen nach so viel Geschichte und Eindrücken die Erholung auf dem Sonnendeck bei einer leichten Windbrise. In der Dunkelheit legen wir im quirligen Esna an. In Begleitung von Yasser schlendern wir noch ein bisschen durch das Nachtleben. Hier ist ordentlich viel los und alles spielt sich auf den Straßen ab. Wir werden spontan in eine koptische Kirche eingeladen. Ich sagte es ja, hier sind alle so herzlich und gastfreundlich! Am nächsten Morgen – natürlich wieder ganz früh, bevor es heiß wird – besichtigen wir die Stadt und den Tempel des widderköpfigen Gottes Chnum. Dieser liegt mitten im Zentrum, aber ein ganzes Stück unterhalb des Bodenniveaus, ca. 9 Meter tiefer, da der Tempel durch Sand, Nilschlamm und Bebauung vergraben war. Bis heute ist er noch nicht ganz ausgegraben. Wir legen ab in Richtung Kom Ombo, wo mein Lieblingstempel auf uns wartet. Bis dahin lassen wir uns verwöhnen und genießen die wunderschöne Landschaft und das Treiben am Nilufer. Wir beobachten von unseren Liegestühlen an Deck aus Esel, Kamele, Wasserbüffel, spielende Kinder und Ägypterinnen, die ihre Wäsche am Nilufer waschen. Dann sehen wir von weitem im Dunkeln schon den wunderschön beleuchteten Doppeltempel, der auf einer Anhöhe über dem Flussufer liegt. Als ob das nicht schon beeindruckend genug wäre, prangt auch noch der Vollmond am tiefblauen  Himmel! Ganz großes Kino!

Wasser ohne Horizont

In Assuan und Umgebung gibt es dann einiges zu sehen. Wir machen uns auf den Weg zum Rosa Granit-Steinbruch und weiter zum Assuan-Hochdamm und dem Nassersee. Mit dem Material, das für den Bau des Damms benötigt wurde, hätte man 17 Cheops-Pyramiden errichten können, unfassbar! Durch dieses Bauwerk wird an dieser Stelle der Nil zum Nassersee, der durchschnittlich 10 km breit und 500 km lang ist und sich bis in den Sudan erstreckt. Der Anblick ist gigantisch –
wie ein Meer – kein Horizont in Sicht! Und da wir ja schon lange keinen Tempel mehr gesehen haben, besuchen wir den Isis-Tempel auf der heute als Neu-Philae bekannten Insel. Dieser Tempel wurde ebenfalls wie die Tempel in Abu Simbel vor der Überflutung durch den Hochdamm gerettet. Die eigentliche Philae-Insel ist im See versunken. Dieser Tempel gefällt mir besonders gut, dort gibt es ein “Katzen-Café“. Unter den Tischen und Stühlen – überall sind Katzen, wohin man guckt. Da fühle ich mich doch gleich wie zu Hause. Außerdem machen wir noch einen kleinen Abstecher zum “Perfume Palace“. Hier werden für einige große Hersteller wie Chanel, Calvin Klein, Dior etc. die Grundessenzen für Parfüm hergestellt. Natürlich habe mir auch eine Essenz gekauft. Ich wollte schon immer wie Königin Hatschepsut duften.

Eine Kreuzfahrt auf dem Nil gehört auf jede Bucketlist!

Segeln auf dem Nil

Unbedingt kann ich in Assuan die Felukenfahrt und den Besuch eines Nubischen Dorfes empfehlen. Es ist wunderschön, auf dem Nil mit diesen Segelschiffen die Umgebung zu erforschen, vorbei an der schönen Pflanzen- und Tierwelt, herrlich! Sich in Assuan in das bunte Treiben der Bazare zu stürzen, ist ebenfalls Pflicht. Hier duftet es überall nach köstlichen Gewürzen, und es ist gibt so viel zu sehen. Einfach in ein Café setzten, gucken und genießen! Für den letzten großen Ausflug starten wir ganz früh am Morgen um 4.30 Uhr mit dem Bus nach Abu Simbel. Hier stehen die beiden Tempel von Ramses II. und seiner Frau Nefertari. Es geht 3,5 Stunden durch die Wüste, dann sind wir da. Atemberaubend, vor allem wenn man bedenkt, dass diese beiden Tempel vom Flussufer 60 Meter über den eigentlich Standort versetzt wurden. Dies geschah im Zuge einer Rettungsaktion durch die UNESCO von 1964–1968. Wer eine Tour nach Abu Simbel macht, sollte sich unbedingt die DVD kaufen, die es über die Versetzung der Tempel gibt. Das ist sehr beeindruckend!

Abschied nehmen

Zurück in Assuan steuern wir dann gegen Abend leider wieder zurück Richtung Luxor. Am nächsten Tag machen wir noch einen kurzen Stopp in Edfu, um den Horus-Tempel zu besichtigen. Der rund 2.000 Jahre alte Tempel gehört zu den besterhaltenen Tempeln in Ägypten. Wir genießen die Rückfahrt nach Luxor auf dem Sonnendeck und lassen den Abend ganz entspannt ausklingen, denn morgen geht es wieder zurück nach Deutschland. Bei der Abreise fühle mich richtig traurig, und ich vermisse die Zeit hier jetzt schon. Wie Sie sehen, hat es mich schwer erwischt! Für mein Empfinden kann man das Land auf keine bessere Art und Weise als auf einer Nilkreuzfahrt kennenlernen! Die Mischung aus spannender Kultur, atemberaubender Landschaft und absoluter Erholung auf dem Phoenix-Schiff ist für mich einzigartig! Und glauben Sie mir, ich bin bald wieder dort, es gibt noch soooo viel zu sehen und zu entdecken! Yalla Yalla – Auf geht’s!